Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir leben in schnellen Zeiten. Erst gestern hat er abgedankt, unser Bundeshorst, und schon heute sind die wildesten Spekulationen über seine Nachfolge im Gange. Die Auswahl an potentiellen Kandidaten ist mindestens so umfangreich wie die Liste der Eigenschaften, die der Zukünftige, wenn es nach Regierung und Medien geht, möglichst noch aufweisen sollte: Wortgewandt, politisch versiert und gleichzeitig überparteilich, volksnah und am liebsten auch noch wirtschaftlich nicht allzu unbedarft soll er sein. Hehre Ansprüche also. Umso erstaunlicher ist es, dass die Liste der Vorgeschlagenen im Moment hauptsächlich Kandidaten aufweist, die sich in letzter Zeit eher nicht mit Ruhm bekleckert haben. Read the rest of this entry
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(Schaden)freudlos
Liebe Regierung, ihr macht es einem wirklich nicht leicht! Zuerst legt ihr den größtmöglichen Fehlstart hin, den man sich für eine so heißersehnte Traumkoalition wohl vorstellen kann. Dann verbringt ihr mehr Zeit damit, öffentlich euren Ehekrach auszutragen, bis schließlich selbst die treuesten Anhänger nicht mehr umherkommen, Zweifel an euren Fähigkeiten zumindest nicht mehr völlig auszuschließen. Und kaum habt ihr euch mal ein bisschen zusammengerauft, legt der wohl peinlichste Vizekanzler in der Geschichte der Bundesrepublik erst richtig los und meint, und schlägt voller Enthusiasmus nicht-existente Tabus zu Bruch. Als wäre das nicht genug wird auch noch schamlos Klientelpolitik betrieben, ohne überhaupt anstandshalber den Versuch zu machen, es anders aussehen zu lassen. Und kaum war Gras über die Mövenpick-Affäre gewachsen, bricht auch noch aus heiterem Himmel NRWs Ministerpräsident samt seinen lächerlichen Gesprächsgebühren über euch hinein. Was, um dem allem die Krone aufzusetzen, in einem rekordverdächtigen zweistelligen Stimmverlust bei der Landtagswahl resultiert.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Oder vom roten? Oder warum nicht vorm gelben, wenn wir grad schon mal dabei sind? Wer den Wahlkampf in NRW mitverfolgt, kann nicht umhin, sich an das beliebte alte Kinderspiel erinnert zu fühlen. Wer hat Angst vorm rot-rot-grünen Mann, unken CDU und FDP. Ihr alle, wollen sie uns damit sagen. Solltet ihr zumindest. Und wenn er kommt? Dann könnt ihr nur noch weglaufen, vor allgemeiner Verdummung, Gleichmacherei und Fortschrittsfeindlichkeit.
Wer hat Angst vorm schwarz-gelben Mann, drohen SPD, Grüne und Linke. Und wir ahnen schon, dass sollten wir besser, denn, so lassen sie uns wissen, wenn DER kommt, dann werdet ihr noch mit den Zähnen klappern vor lauter sozialer Kälte, Leistungsgesellschaft und Atomkraftwerken.
Die unverkäufliche Republik
Liebe Parteien,
Man kann es drehen und wenden wie man will: In letzter Zeit habt ihr euch in Sachen Glaubwürdigkeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. (Die Definition des Begriffs ‘in letzter Zeit’ bleibt an dieser Stelle dem geneigten Leser selbst überlassen.) Besonders die aktuellsten Meldungen sprechen Bände: Erst die großzügigen Mövenpick-Spenden an FDP und CSU, verdächtig zeitnah zur Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen. Dann die FDP-Spendenparty von Solarworld in Verbindung mit einer, scheinbar aus heiterem Himmel kommenden, Hundertachzig-Grad-Wende der Partei in ihrer Solarpolitik. Dann die Geschichte des Waffenlobbyisten Schreiber über illegale Konten der CSU. Und schließlich die Spenden der BMW-Familie an die CDU – und der Steuerrabatt für Jahres- und Firmenwagen.
Da fragt man sich: Was kommt als nächstes? Haben wir dank Sponsoring der Lufthansa demnächst einen Kranich anstatt des Bundesadlers? Oder denkt sich die Regierung zur Bekämpfung der Staatsschulden ein Rent-A-Minister-Programm aus?