Lasst uns streiten! Lasst uns diskutieren! Lasst uns aneinander geraten, selbst wenn das Risiko besteht, dass wir uns hinterher nicht schön brav auf eine Meinung einigen! Lasst uns unterschiedlicher Ansicht sein und dabei bleiben! – Denn das tun wir viel zu selten! Warum eigentlich? Was ist so schlimm am Streiten, was sorgt dafür, dass wir Konflikten oft am liebsten ausweichen? “Lasst uns darüber nicht streiten!” – Warum nicht? Warum empfinden wir eine Diskussion, die nicht mit irgendeiner Art Kompromiss endet automatisch als unbefriedigend? Warum tun wir uns so schwer mit einer Streitkultur, die Meinungsverschiedenheiten nicht als Störfaktor begreift, den man um jeden Preis vermeiden muss, sondern als Bereicherung?
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Die unverkäufliche Republik
Liebe Parteien,
Man kann es drehen und wenden wie man will: In letzter Zeit habt ihr euch in Sachen Glaubwürdigkeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. (Die Definition des Begriffs ‘in letzter Zeit’ bleibt an dieser Stelle dem geneigten Leser selbst überlassen.) Besonders die aktuellsten Meldungen sprechen Bände: Erst die großzügigen Mövenpick-Spenden an FDP und CSU, verdächtig zeitnah zur Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen. Dann die FDP-Spendenparty von Solarworld in Verbindung mit einer, scheinbar aus heiterem Himmel kommenden, Hundertachzig-Grad-Wende der Partei in ihrer Solarpolitik. Dann die Geschichte des Waffenlobbyisten Schreiber über illegale Konten der CSU. Und schließlich die Spenden der BMW-Familie an die CDU – und der Steuerrabatt für Jahres- und Firmenwagen.
Da fragt man sich: Was kommt als nächstes? Haben wir dank Sponsoring der Lufthansa demnächst einen Kranich anstatt des Bundesadlers? Oder denkt sich die Regierung zur Bekämpfung der Staatsschulden ein Rent-A-Minister-Programm aus?
Die nicht ganz so frohe Botschaft
Weihnachten, das Fest der Hoffnung auf eine bessere Welt ist noch nicht vorbei – da erhält die Hoffnung schon den ersten Dämpfer. Es ist ein heftiger Dämpfer, einer der uns traurig und wütend macht – oder machen sollte – und umso mehr wütend, weil wir so wenig dagegen tun können.
Ein Mensch, der von seinen Menschenrechten Gebrauch machte, ein Mensch, der versuchte, für sich und seine Landsleute die Hoffnung auf eine bessere, auf eine freiere Welt in die Tat umzusetzen, ein Kämpfer für die Demokratie wird in einem merkwürdigen Verfahren zu einer selbst für die Maßstäbe seines Landes unverhältnismäßig hohen Strafe verurteilt. Ausgerechnet am ersten Weihnachtsfeiertag, ausgerechnet, nachdem wir erst am Vorabend die Botschaft von der Befreiung von Ungerechtigkeit und Unterdrückung gehört haben.
Komm wieder, wenn du die Welt verändert hast!
Freitag Mittag, die sechste Schulstunde in unserem aus acht Leuten bestehenden Geschichte-Leistungskurs. Niemand weiß mehr so genau, wie wir von der deutschen Nachkriegsgeschichte dort hingekommen sind, aber auf einmal sind wir mitten in einer Diskussion über das aktuelle politische Geschehen. Oder Nicht-Geschehen. Über soziale Ungerechtigkeit, über mangelnde Umverteilung und darüber, ob das eigentlich so sein muss. Muss es, finden einige. Zu viel Lobbyismus, zu wenig Partizipation, theoretisch könnte es vielleicht besser funktionieren, aber praktisch? Praktisch auch, finde ich. Warum denn auch nicht? Warum muss man sich damit abfinden, wie es ist, wenn es besser sein könnte? “Jaja, komm wieder, wenn du die Welt verändert hast!”, unterbricht mich eine Klassenkameradin und garniert ihr Statement mit einem Blick, der signalisiert: “Ich will ja niemandem seine Illusionen rauben, aber es lässt sich nun mal nicht ändern. Das ist eben so!”